Biblische Texte lesen – bedenken – diskutieren

In dieser Veranstaltungsreihe, die in Mörschwil schon eine längere Tra­di­tion hat, lassen wir die Bibel auf uns wirken. Aber nicht die ganze heilige Schrift aufs Mal. Sondern kurze Pas­sagen aus ei­nem bestimmten Zusammenhang. Und genau eine Stunde lang. Was nicht ausschliesst, dass einem der Text dann noch länger durch den Kopf geht.

Da ist zum Beispiel die Apostelgeschichte. Sie schil­dert den Weg der jungen christlichen Gemeinden nach Christi Him­melfahrt. Ange­fangen in Jerusalem über Kleinasien bis nach Rom. Daraus werden wir bis Jahresende einige Stellen genauer lesen, bedenken und diskutieren.

Termine siehe unten – aber zunächst:

Was ist eigentlich eine „Lectio divina“ oder ein „Bibliolog“?

Die Lectio divina ist ein sehr einfacher Weg, die Bibel kennenzulernen. Voraussetzung ist allein die Freude am Lesen und Entdecken des Textes, und am gegenseitigen Austausch darüber, was beeindruckt, irritiert oder ermutigt. Im Prozess geleitet uns die moderne Form eines – wie der Name schon vermuten lässt – höchst traditionsreichen Verfahrens, die Bibel als lebendige Quelle zu nutzen, die eigene Gottesbeziehung immer wieder neu zu entdecken und dabei zugleich aus den Einsichten anderer etwas für sich zu gewinnen.

Der Bibliolog lässt die Bibel lebendig werden, weil jede und jeder von uns etwas zu ihr zu sagen hat. Die Teilnehmenden werden angeregt, sich in verschiedenste Gestalten oder Situationen eines jeweils ausgewählten biblischen Textes hineinzuversetzen. In diesen Rollen füllen sie die „Zwischenräume“ des Textes mit eigenen Ideen. Man tritt im wahrsten Sinne in ein Zwiegespräch mit der wichtigsten Textsammlung des Christentums – und ins Gespräch miteinander über Eindrücke, Merkwürdigkeiten und Inspirationen.

Während der Lockdowns sind wir mit dem Format ‚Lectio divina‘ notgedrungen auf eine Videokonferenz-Lösung im Internet umgestiegen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass diese Zoom-Konferenzen bestens geeignet sind, um in einem überschaubaren Personenkreis einen Text zu besprechen. Auch ermöglichen sie es Interessierten von weiter her, an den Anlässen teilzunehmen. Wir bieten die auch einzeln besuchbaren Veranstaltungen darum sowohl ‚vor Ort‘ (Jumaheim bzw. Pfarreisaal) als auch per Videokonferenz an:

Wenn Sie die jeweils gelesene – bedachte – diskutierte Bibelstelle gerne schon vor der Veranstaltung kennenlernen möchten, folgen Sie einfach unten dem jeweiligen Link.

  • Glaubensquelle: Philippus tauft einen hochgestellten Äthiopier
    Apostelgeschichte 8,26-40
    Bei der wegweisenden Begegnung von Philippus mit dem äthiopischen Hofbeamten sind der «Engel des Herrn» und der «Geist» die Regisseure. Die Nachfolgegemeinschaft Jesu öffnet sich für Menschen anderer Kulturen.

    • Mittwoch, 1. September, 19-20 Uhr, Lectio divina als Zoom-Sitzung
  • Grenzen überschreiten: Petrus im Clinch mit Gott und den jüdischen Speisevorschriften
    Apostelgeschichte 10,19-22 und 28-29
    An einem der zentralen Knotenpunkte der Geschichte der ersten Christen spielt Petrus die entscheidende Rolle: die Öffnung der Nachfolgegemeinschaft für «die Menschen aus den Völkern».

    • Dienstag, 14. September, 19-20 Uhr, Lectio divina im Jumaheim/Pfarreisaal
    • Mittwoch, 29. September (statt 16.9.), 19-20 Uhr, Lectio divina als Zoom-Sitzung
  • Das Wort wirkt: Gottes Geist lässt sich nicht eingrenzen
    Apostelgeschichte 10,34-36 und 44-48
    Pfingsten ist nicht nur ein einmaliges, vergangenes Geschehen, sondern der Gottesgeist «weht, wo er will». Sensibilität und Offenheit sind gefragt.   

    • Dienstag, 26. Oktober, 19-20 Uhr, Lectio divina im Jumaheim/Pfarreisaal
    • Mittwoch, 27. Oktober, 19-20 Uhr, Lectio divina als Zoom-Sitzung
  • Gemeinsam entscheiden: Das sogenannte ‚Apostelkonzil‘
    Apostelgeschichte 15,6-12 und 22-29
    An dieser Zusammenkunft in Jerusalem wird nach heftigen Diskussionen entschieden, dass den Nichtjuden, die zum Glauben an den Messias Jesus kommen, keine zusätzlichen Aufnahmeriten auferlegt werden, ausser der Taufe.

    • Montag, 15. November, 19-20 Uhr, Lectio divina als Zoom-Sitzung
    • Dienstag, 16. November, 19-20 Uhr, Bibliolog im Jumaheim/Pfarreisaal
  • Anschlussfähig verkündigen: Paulus scheitert mit seiner Predigt auf dem Athener Areopag
    Apostelgeschichte 17,16-34
    Nicht überall gelingt Paulus die Inkulturation des christlichen Glaubens mit seiner Verkündigung. In Athen erntet er mit seiner Vorstellung von Auferstehung jedenfalls nur Spott.

    • Dienstag, 7. Dezember, 19-20 Uhr, Bibliolog im Jumaheim/Pfarreisaal
    • Mittwoch, 8. Dezember, 19-20 Uhr, Lectio divina als Zoom-Sitzung

Bitte melden Sie sich zu einer Zoom-Konferenz bei Bernd Ruhe (b.ruhe@bluewin.ch bzw. 071 866 12 65) an, damit Sie den Zugangscode zur Teilnahme oder Hilfe bei der Verwendung von Zoom erhalten.

Lectio divina per Zoom

«Basis der letzten Lectio divina-Runde waren die Texte zur Steinigung des Stephanus Apg. 6.8 – 7.60, in denen Stephanus wegen seines Zeugnisses über Jesus Christus der Lynchjustiz von Juden aus der Diaspora zum Opfer fällt. Zoom ermöglichte, dass auch Teilnehmer aus weit entfernten Gebieten dabei sein konnten; unsere beiden sehr kundigen Bibelexegeten Bernd Ruhe und Kuno Füssel (aus dem Gebiet Trier, ehemals Lehrer von Bernd Ruhe und Mitarbeiter von Karl Rahner) gaben tiefe und interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Texte und über die damaligen Verhältnisse im Orient. Die Teilnehmerzahl von 8 – 10 Personen ermöglichte einen sehr persönlichen, den Glauben vertiefenden Austausch. Eine ausgezeichnete, innovative Art der Glaubensverkündigung.»

Roman Rieger sen., Mörschwil

Bibliolog

«Durch den Bibliolog wird man zu einem Teil der Geschichte und kann mit den Personen mitfühlen. Dadurch wird es intensiver und man versteht im Nachhinein die Reaktionen beziehungsweise den Inhalt der Geschichte viel besser. Jeder kann seine Meinung kundtun und es gibt kein richtig und kein falsch. So öffnen sich neue Blickwinkel und man sieht die Situation plötzlich aus einer ganz neuen Sicht. Für mich ist es eine tolle Abwechslung und es herrscht eine entspannte, lockere und ungezwungene Atmosphäre, in der es auch Platz für erheiternde Momente hat.»

Irina Wagner, Mörschwil