Veranstaltungsreihe „Weichenstellungen“

In Liebe und List verbunden: Die Mann-Frau-Beziehung in der Odyssee

 

Zur Eröffnung der Reihe findet am 29. September 2022 um 19.00 Uhr im kath. Pfarreisaal ein Vortragsabend mit Pfr. Markus Anker statt. Seine Einführung in Homers berühmtes Epos gilt vor allem der dort thematisierten Mann-Frau-Beziehung. Im Anschluss an den Vortrag besteht bei einem Apéro die Gelegenheit, das Thema noch weiter zu diskutieren.

 

Das fast 3000 Jahre alte Epos des griechischen Dichters Homer ist ein literarischer Edelstein: Es hat eine unvergängliche Faszination und glänzt facettenreich. Im Vordergrund steht die gefahrvolle Heimkehr des Kriegers und Königs Odysseus nach dem Krieg gegen Troja. Doch es geht um mehr. Die Geschichte des Menschen, der auf dem offenen Meer dem wechselhaften Wirken von Göttern, Menschen und Naturgewalten ausgesetzt ist, ist ein Synonym für die menschliche Existenz. (Foto: Odysseus und die Sirenen, Vase, ca. 480 v. Chr., British Museum, London)

 

In der Odyssee klingen die grossen Lebensthemen an, darunter die Verbindung von Mann und Frau. Die Odyssee sprengt dabei bewusst die die patriarchalen Machtverhältnisse ihrer Entstehungszeit: Es sind immer wieder machtvolle Frauen, die den hilflosen Helden retten. Und Penelope, die Königin und Ehefrau Odysseus’, steht ihrem Mann in nichts nach: Die beiden sind ein in List und Liebe verbundenes ‚Power-Couple‘.

 

Pfr. Markus Anker ist seit 2004 als Seelsorger und Lehrbeauftragter an der Universität St.Gallen tätig. Er begleitet Universitätsangehörige, Studierende und Dozierende, in Krisensituationen und berät universitäre und kirchliche Gremien. In seinen Lehrveranstaltungen behandelt er Themen aus Theologie und Christentum und stellt sie in den Kontext von aktuellen Fragen aus Gesellschaft, Kunst und Literatur.

Die Zukunft kommt aus der Erinnerung: Eine Lektüre der ersten Kapitel der Apostelgeschichte

 

Am Samstag, 22. Oktober 2022, 9.30 – 15.00 Uhr (einschliesslich gemeinsamem Zmittag) gibt es im Pfarreisaal wieder einen Studientag mit Dr. Kuno Füssel. Dieser ist schon 2021 auf sehr positive Resonanz gestossen – siehe Bericht. Das aktuelle Thema betrifft die christliche Gemeinschaft und damit die alles verbindende kirchliche Grundfunktion.

 

Die allgegenwärtige Krise der Institution Kirche und die Sorge um ihre Zukunft zwingen förmlich dazu, sich näher anzuschauen, wie alles einmal begann. In der Apostelgeschichte des Lukas lesen wir, dass aus den Frauen und Männern der Jesusbewegung sich in Jerusalem um den Kreis der Apostel eine Gemeinde bildete, die nach dem aufregenden Pfingstereignis sich rasch enorm vergrösserte.

 

Lukas kennzeichnet die Gemeinde in Jerusalem durch folgende Elemente: Gütergemeinschaft, Krankenheilungen, gemeinsames Gebet und die Bezeugung der Auferstehung Jesu als des für Israel verheissenen Messias. Sinn und Zweck der Gemeinde ist die Verwirklichung und Ausbreitung dieser messianischen Alternative im Kontrast zu den bestehenden Verhältnissen,  zunächst in Israel, aber auch anderswo. Trotz vieler Schwierigkeiten bilden sich im ganzen römischen Imperium  auch anderorts solche Gemeinden, die man Ekklesia nannte, woraus dann in den ersten Jahrhunderten ein Zusammenschluss entstand, den wir bis heute Kirche nennen. Die Apostelgeschichte dokumentiert, wie sich vor allem durch die Missionstätigkeit des Paulus die Gemeinschaft der Messiasanhänger, die man erstmals in Antiochia Christen nannte (Apostelgeschichte 11,26), bis nach Rom, also ins Zentrum des Imperiums,  ausbreitete.

 

Es entstehen viele Fragen: Worin liegt das Erfolgsgeheimnis dieser messianischen Bewegung? Wo können wir heute anknüpfen? Was müssten wir neu erfinden in der Kraft des Heiligen Geistes? Suchen wir gemeinsam nach Antworten, denn einer allein wird sie nicht finden.

 

Um Anmeldung unter 071 866 12 65 oder an bernd.ruhe@pfarrei-moerschwil.ch bis zum 20.10. wird gebeten.

 

Dr. Kuno Füssel studierte Mathematik und Physik, arbeitete einige Zeit bei einer Computerfirma und entschloss sich dann, in Münster Theologie zu studieren. Dort Promotion bei Karl Rahner und Wiss. Assistent von Johann B. Metz von 1971-1982. Danach Lehrbeauftragter, Übersetzer und von 1998 bis zur Pensionierung 2007 Lehrer für Mathematik, Physik und Religion in Koblenz.

 

Die 14 Kreuzwegstationen

 

Am Dienstag, 22. November 2022 um 19.00 Uhr im Pfarreisaal referiert Niklaus Brülisauer aus Mörschwil zu einem bemerkenswerten kunstgeschichtlichen Ereignis in unserer Gemeinde. Wir lassen den Anlass mit einem gemütlichen Apéro ausklingen.

 

Vor genau 60 Jahren – im Jahre 1962 – wurde im damaligen Kurhaus Oberwaid eine neue Hauskapelle eingeweiht. Als künstlerischer Schmuck wurden die Wände der Kapelle mit einem über 70 m2 grossen Mosaik ausgekleidet. Die Vergabe dieses Auftrags ging an den jungen Künstler Jost Blöchliger aus Uznach. Dargestellt wurde der Leidensweg Christi in einer Technik, die bereits die alten Ägypter kannten. (Ausschnitt aus dem Blöchliger-Mosaik; Foto: Niklaus Brülisauer)

 

Der Referent war am Entstehungsprozess und an den Ausführungsarbeiten persönlich beteiligt. Sie erfahren einiges über den Werdegang dieses Kunstwerkes, welches in der damaligen Meggenmühle in Mörschwil entstand. Leider wurde die Kapelle beim Neubau der Oberwaid im Jahre 2009 abgerissen.

 

Eva - Verführung zum Leben

 

Am Mittwoch, 1. März 2023 um 19 Uhr widmen sich Isabelle Müller-Stewens und Bernd Ruhe im Kontext der ‚Stolpersteine in der Bibel‘ einer Zentralfigur der Schöpfungsgeschichte. Dabei stellen sie Einblicke zu einer aussergewöhnlichen Persönlichkeit zur Diskussion. Auch hier gibt es im Anschluss noch einen Apéro für weiterführende Gespräche.

 

Eva ist nach der biblischen Schöpfungsgeschichte die erste Frau der Menschheitsgeschichte, Partnerin Adams, Mutter von Kain, Abel und Set. Ihr Name, hebräisch chavah, wird auf das Wort „Leben“ zurückgeführt. Mit Adam musste sie nach dem sogenannten „Sündenfall“ das Paradies verlassen. In der Theologiegeschichte gilt sie später als die große Verführerin. Nach dem im 2. Jh. v. Chr. entstandenen Buch Jesus Sirach wird sie erstmals in den biblischen Schriften als Frau abgewertet, die die Sünde in die Welt gebracht habe (Jesus Sirach 25,24).

 

Diese diskriminierende Tendenz wird in den paulinischen Schriften fortgesetzt. Nach 1.Timotheus 2,14 ist Eva die von der Schlange Verführte im Unterschied zu Adam und Urheberin vieler Übel. Im frühen Christentum wird sie zum Gegenbild der Mutter Jesu, Maria, stilisiert. Diese Negativklischees hatten für das christliche Frauenbild eine fatale Wirkung bis in die Gegenwart.

 

Wir wollen den wenigen biblischen und einigen kirchengeschichtlichen Spuren nachgehen und die Figur der Eva als Mutter alles Lebens (1.Mose 3,20) in eine erfreuliche und lebensfördernde Perspektive rücken, die ihrer Bedeutung im biblischen und kirchlichen Kontext gerecht wird. (Foto: Bernd Ruhe)

Isabelle Müller-Stewens leitet das Ressort „Erwachsenenbildung“ des Mörschwiler Pfarreirats. Dr. Bernd Ruhe ist Theologe und Pfarreibeauftragter der Pfarrei St. Johannes der Täufer zu Mörschwil.

 

Mörschwiler Original-Dokumente aus 1212 Jahren: Besuch im Stiftsarchiv St.Gallen

 

Am Samstag, 18. März 2023 um 10.15 Uhr besuchen wir das Stiftsarchiv St.Gallen. Bei der Führung durch Jakob Kuratli geht es um das Thema ‚Mörschwiler Kirchengeschichte im Spiegel originaler Quellen‘. Anschliessend besteht Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein im Café Gschwend.

 

Wer meint, das Stiftsarchiv St.Gallen lagere nur trockenes historisches Material, der irrt sich gewaltig. Jakob Kuratli wird uns aus den Mörschwiler Visitationsberichten der Äbte des Klosters St.Gallen erzählen, die früheren Zeitumstände der Pfarrei Mörschwil erklären und auch jene Original-Urkunde aus dem Jahre 811, in welcher Mörschwil erstmals schriftlich erwähnt wird, zeigen. Er wird uns ebenfalls durch die aktuelle Ausstellung des Stiftsarchivs führen. (Foto: Die erste urkundliche Erwähnung von Mörschwil am 16. Februar 811 «in vilare nuncupato maurini» (gelb hervorgehoben). Quelle: David Kobler, Mörschwil im Spiegel der Lokalnamen, Mörschwil 2020, S. 12; zur Vergrösserung bitte auf das Foto klicken. Die Originalquelle finden Sie hier.)

 

Um Anmeldung bis 16.3. unter 079 151 75 24 oder an remo.waespi@bluewin.ch wird gebeten. Treffpunkt 9.35 Uhr an der Postautohaltestelle Kirche Mörschwil. Wir nehmen 9.39 Uhr das Postauto nach St.Gallen. Wenn vorhanden, bitte Museumspass oder Raiffeisenkarte mitnehmen.

 

Dr. Jakob Kuratli ist stellvertretender Stiftsarchivar des Stiftsarchivs St.Gallen.

 

Im Anfang war das Wort: Bibeln in der Kantonsbibliothek Vadiana St.Gallen

 

Am Samstag, 6. Mai 2023 um 10.15 Uhr besuchen wir die Kantonsbibliothek Vadiana St.Gallen. Wolfgang Göldi stellt uns dort im wahrsten Sinne ‚bibliophile‘ Kostbarkeiten der Sammlung aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit vor. Anschliessend besteht Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein im Café Gschwend.

 

Die Kantonsbibliothek Vadiana St.Gallen besitzt eine umfangreiche Bibelsammlung: Neben Handschriften aus dem Spätmittelalter rund 20 Bibeldrucke aus der Zeit vor 1500, die bahnbrechende Bearbeitung des neuen Testamentes in griechischer und lateinischer Sprache durch Erasmus von Rotterdam, zahlreiche Exemplare aus der Reformationszeit, polyglotte Bibelausgaben, die Kupferbibel des Zürcher Naturforschers Johann Jakob Scheuchzer sowie Bibeln in zahlreichen Fremdsprachen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. (Illustrierte Initiale aus der 1477 in Augsburg durch Günther Zainer gedruckten deutschsprachigen Bibel. Kantonsbibliothek Vadiana St.Gallen, Sammlung der Ortsbürgergemeinde, VadSlg Inc 509.)

 

Um Anmeldung bis 4.5. unter 079 151 75 24 oder an remo.waespi@bluewin.ch wird gebeten. Treffpunkt 9.35 Uhr an der Postautohaltestelle Kirche Mörschwil. Wir nehmen 9.39 Uhr das Postauto nach St.Gallen.

 

Wolfgang Göldi arbeitet seit 1994 in der Kantonsbibliothek St. Gallen und ist dort für die Historischen Bestände und Sammlungen zuständig.