Wenn Männer den Kopf verlieren: Judit – Femme fatale in der Bibel?

In der Liturgie kommt das biblische Buch Judit praktisch nicht vor. Das Motiv der mutigen Frau, die mit List und Erotik in das Lager der Feinde des Volkes Israel eindringt, um deren Heerführer Holofernes zu töten, ist jedoch durchaus bekannt. Vor allem seit der Renaissance sahen viele in ihr eine selbstbewusste Freiheitskämpferin. Aber auch das Problem des Tyrannenmordes und seiner Legitimität wird vielfach mit dieser Erzählung verbunden.

Doch was bewegt Judit, diesen Schritt zu wagen? Ihre Gottesfurcht, ihre Toratreue bilden die zentralen Voraussetzungen ihres Eingreifens. Mutiger als die Männer der judäischen Stadt Betulia setzt sie ihr Vertrauen auf den Gott Israels. Sie handelt sehr selbstbewusst und liefert so ein prägnantes Frauenbild, das im Kontrast steht zu vielen patriarchalisch geprägten Texten in der Bibel.

Quellen:

  • (Kachel Homepage: Ausschnitt aus) Niederländisch um 1540/50, Judith mit dem Haupt des Holofernes, Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek München
  • Juan Ibáñez 13 April 2015, Judith and Holofernes before cooking, Animation (https://www.behance.net/gallery/18655907/Judith-and-Holofernes-before-cooking)
  • Gustav Klimt 1909, Judith II (Salome), Galleria Internazionale d’Arte Moderna im Palazzo Ca’ Pesaro, Venedig